Energetische Stadtsanierung: eine Gemeinschaftsaufgabe

Dokumentation der Regionalkonferenz in Nürnberg am 24.06.2014

Die Energetische Stadtsanierung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Kommune und Eigentümern sowie weiteren zentralen Akteuren. Die Regionalkonferenz in Nürnberg bot einen detaillierten Überblick über das KfW-Programm 432 Energetische Stadtsanierung und gab konkrete Hinweise für die Bearbeitung und Antragstellung. Die Konferenz in Nürnberg war die erste von insgesamt drei Regionalkonferenzen, die von der Begleitforschung organisiert und gemeinsam mit dem BMUB, dem BBSR und der KfW durchgeführt werden.

Während der Regionalkonferenz wurden in Fachvorträgen, Experteninterviews und Projektbeispielen aus dem Kreis der bayerischen Pilotprojekte die bisherigen Erfahrungen und Ergebnisse aus der Begleitforschung vorgestellt und diskutiert. Anregungen und konkrete Hilfestellungen für Kommunen, die gerne selbst einen Antrag für das Programm stellen wollen, standen dabei im Mittelpunkt. In Kleingruppen bot sich die Möglichkeit zu vertiefenden Nachfragen zur Umsetzung des Programms.

In den verschiedenen Tagesordnungspunkten ging es um das Förderprogramm an sich, aber auch um die allgemeine Rolle von Quartierskonzepten und Wärmestrategien aus kommunaler Sicht. Im Fokus der Regionalkonferenz standen folgende Fragestellungen:

  • Wer hat welche Rolle? Und warum hat die Kommune eine besondere Verantwortung?
  • Wie werden Kommunen und Eigentümer durch Bund, KfW und Länder unterstützt?
  • Welches Quartierskonzept und welches Sanierungsmanagement eignen sich für welches Quartier?
  • Bereits im Antrag die Weichen stellen: Was ist zu beachten?
  • Welche Handlungsoptionen haben Kommunen in der Wärmeversorgung?
  • Wo liegen Grenzen von Maßnahmen in der Praxis?

Im Folgenden sind die wesentlichen Inhalte der Veranstaltung aus Sicht der Begleitforschung dargestellt. Die Präsentationen der Referenten können heruntergeladen werden.

 

Die Kommune in der Verantwortung

Dr. Gregor Langenbrinck, Begleitforschung, Urbanizers

Welche wesentlichen Punkte sollten Kommunen bei der Erarbeitung eines energetischen Quartierskonzeptes beachten? Der Vortrag zeigte kommunale Handlungsoptionen im Bereich von Projektsteuerung, Akteursbeteiligung und Gebietsauswahl sowie der Zieldefinition und der Umsetzung von Quartierskonzepten auf. Das Programm 432 Energetische Stadtsanierung wurde in die Gesamtförderkulisse der KfW eingeordnet und es wurden Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Förderbausteinen aufgezeigt.

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Verknüpfung der KfW-Förderprogramme als besonderes Qualitätsmerkmal

Andreas Schüring, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Vortrag wurde gehalten von Dr. Gregor Langenbrinck

Es wurden Zusammenhänge zwischen dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm des Bundes mit Ansätzen auf der Quartiersebene aufgezeigt und dargestellt, wie diese verzahnt sind. Des Weiteren wurden Praxisbeispiele gezeigt, die verdeutlichen wie die Förderprogramme einen wesentlichen Beitrag zur Energieeinsparung im Gebäudebereich leisten.

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Der Energienutzungsplan in Bayern

Dr. Peter Wunsch, Innovations- und Technologiezentrum Bayern

In Bayern sind verschiedene Landes-Förderprogramme vorhanden, die teils in eine ähnliche inhaltliche Richtung zielen wie das Programm 432 Energetische Stadtsanierung. In dem Vortrag sowie in anderen Tagesordnungspunkten wurde deutlich, dass die Förderprogramm nicht gegeneinander abgewogen werden müssen, sondern sich sinnvoll kombinieren lassen. Herr Dr. Peter Wunsch stellte in dem Vortrag den Energienutzungsplan vor.

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Kommunale Handlungsoptionen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung im Quartier

Dr. Matthias Sandrock, Hamburg Institut Research (HIR)

Im Vortrag von Herrn Sandrock wurde deutlich betont, dass der Verbrauch von Wärme bisher wenig Aufmerksamkeit erfährt. Langfristige kommunale Wärmestrategien werden benötigt, um die ambitionierten CO2-Ziele zu erreichen. Was die Kommunen zu beachten haben und warum Wärmestrategien ein wesentlicher Beitrag zur Daseinsvorsorge sind, wurde in dem Vortrag und der anschließenden Diskussion behandelt.

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Analyse und Maßnahmen in der Praxis

Prof. Brautsch (IfE Amberg-Weiden) für das Pilotprojekt Markt Zapfendorf sowie Oliver Zadow (Landeshauptstadt München) und Ulf Millauer (MGS) für das Pilotprojekt München Neuaubing/Westkreuz

Die Beispiele München und Zapfendorf zeigen sehr eindrucksvoll die Bandbreite der Energetischen Stadtsanierung auf. In München wurden die Stadtteile Neuaubing und Westkreuz bearbeitet. Das Untersuchungsgebiet umfasst etwa 20.000 Bewohner. Das Zapfendorfer Konzept bearbeitete die gesamte Kernstadt, die etwa 5.000 Bewohner umfasst. In Zapfendorf wurde das energetische Quartierskonzept gemeinsam mit einem Energienutzungsplan erstellt, die sich vor Ort sehr sinnvoll kombinieren ließen. In München soll das Quartier insgesamt in verschiedenen Bereichen entwickelt werden. Daher wurden z.B. auch soziale Aspekte in dem Quartierskonzept integriert betrachtet. In Zapfendorf ging es im Wesentlichen um die Überprüfung von industriellen Abwärmepotenzialen, die über Nahwärmenetze an die Bewohner geliefert werden sollen.

 

Energetische Stadtsanierung als Prozess - Von der Datenerhebung bis zur Umsetzung

Dr.-Ing. Klaus Habermann-Nieße, Begleitforschung, plan zwei

Der Vortrag von Dr.-Ing. Habermann-Nieße gab wesentliche Erkenntnisse der Begleitforschung wieder, in Bezug auf das Antragsverfahren („Auf Umsetzung und Effizienz orientierte Gebietsauswahl“), Inhalte und Wege der Konzeptbearbeitung („Auf das Ziel hin arbeiten“) sowie Umsetzung des Konzeptes („Durch Sanierungsmanagement dauerhafte Partnerschaften aufbauen“). Thematisiert wurden u.a. typische Anlässe für die Erstellung eines energetischen Quartierskonzeptes und mögliche Verknüpfungen von energetischen Gebäudesanierungen mit einer effizienten quartiersbezogenen Wärmeversorgung. Des Weiteren wurden praktische Hinweise für die Erstellung der Energie- und CO2-Bilanz gegeben.

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Antragstellung und Umsetzung von Quartierskonzepten und Sanierungsmanagement

Es gab insgesamt drei Arbeitsgruppen, die sich mit der Phase der Antragstellung, der Konzepterstellung sowie dem Sanierungsmanagement auseinandersetzten. Dabei wurden in erster Linie Erfahrungen der verschiedenen Teilnehmer ausgetauscht.

In der Arbeitsgruppe Antragstellung wurde über die notwendigen Bausteine diskutiert, die für die Antragstellung notwendig sind. Weiterhin ging es um die Möglichkeit, die energetische Stadtsanierung mit anderen Programmen zu verknüpfen, z.B. mit der Städtebauföderung, mit integrierten Stadtentwicklungskonzepten sowie mit dem Energienutzungsplan.

Die Arbeitsgruppe Konzepterstellung diskutierte verstärkt über die Inhalte und die Rahmenbedingungen der Konzepterstellung. Wichtige Weichen können bereits vor der Konzepterstellung gestellt werden, z.B. durch die Auswahl des Quartiers oder die Datenerhebung. Kleine Quartiere ermöglichen beispielsweise eine höhere Konkretisierung der Ergebnisse. Bei der Datenerhebung können bestehende Konzepte, wie ein integriertes Stadtentwicklungskonzept, wichtige Anhaltspunkte für ein energetisches Quartierskonzept liefern. Zugleich ist es förderlich, wenn der Besitzer der Daten, z.B. Energieversorger oder Gebäudeeigentümer, in den Prozess der Konzepterstellung eingebunden wird.

Die Gruppe Sanierungsmanagement sprach über die Anforderungen an die einzustellende Person und die organisatorische Einbindung des Managements. Wesentlich ist technisches Knowhow, aber auch die Fähigkeit gemeinsam mit den Personen vor Ort Projekte und Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen bzw. die Akteure zum Mitmachen zu motivieren. Als Schwierigkeit wurden die angemessene Entlohnung für ein so hohes Anforderungsprofil und die Konkurrenz mit Beschäftigungsalternativen in der freien Wirtschaft benannt.

 

Podiumsdiskussion

Dr. Kay Pöhler (KfW), Wolfgang Neußer (BBSR), Prof. Brautsch (IfE Amberg-Weiden)

In der Podiumsdiskussion wurde seitens der KfW und des BBSR noch einmal deutlich betont, dass das Förderprogramm ein sehr hohes Maß an integrierter Betrachtung zulässt, beispielsweise bezüglich sozialer und städtebaulicher Aspekte. Diese Ausrichtung soll auch weiterhin betont werden. Wichtig ist außerdem, dass das Programm für die individuelle Situation vor Ort genutzt werden kann. Gleichzeitig wird aber auch gemeinsam mit der Begleitforschung darüber nachgedacht, wie einzelne Bearbeitungsschritte, wie z.B. die Datenaggregation oder der Übergang in die Umsetzungsphase, vereinfacht werden können.