Begleitforschung: Ein lernendes Programm

Seit ihrem Start 2011 leistet die Energetische Stadtsanierung einen wichtigen Beitrag zur lokalen Umsetzung der Ziele der Energiewende in Deutschland. Mit der Begleitforschung werden auf kommunaler Ebene seit Mitte 2013 Erfahrungen aus der Umsetzung der KfW-Programme 432 und  201/202 analysiert. Um Erkenntnisse aus der Programmanwendung für Praxis, Wissenschaft und Politik weiter zu vertiefen, haben das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und die KfW eine zweite Phase der Begleitforschung zur Energetischen Stadtsanierung beauftragt. Sie läuft seit Ende Juli 2018.

Die Begleitforschung unterstützt den gezielten Wissenstransfer, die Qualifizierung in der Praxis und die öffentlichkeitswirksame Vermittlung von Ergebnissen zur zielgerichteten Anwendung der Programme. Zudem leistet sie einen Beitrag zur praxisgerechten Weiterentwicklung des Programms.

Im Rahmen des Forschungsprojektes werden bis zu 70 Referenzprojekte untersucht. Einige waren bereits in der ersten Phase der Begleitforschung als Pilotprojekte mit dabei. In der ersten Phase wurden Kommunen wissenschaftlich begleitet, die bundesweit als erste mit der Ausarbeitung integrierter energetischer Quartierskonzepte begonnen haben. In der zweiten Phase, die im Juli 2018 gestartet ist, liegt der Fokus auf der Umsetzung und der Verstetigung des energetischen Sanierungsprozesses durch die Kommunen.

Ziele

Mit der Begleitforschung sollen Bedingungen für eine Verbesserung der Verfahrensabläufe in den KfW-Programmen 432 sowie 201 und 202 erforscht werden. Ziel ist es, Strategien zur Optimierung der CO2-Reduktion zu entwickeln sowie zielgerichtete Sanierungsmaßnahmen auf der Quartiersebene zu erkennen. Beratung vor Ort ist dafür ebenso wichtig wie der Austausch zwischen Akteuren, verbunden mit der qualifizierten Aufbereitung der Ergebnisse und Erfahrungen.

Im Vordergrund steht die Frage, wie Quartierskonzepte qualifiziert die Programme 201/202 weiter ausgestalten können. Zudem werden die praktische Arbeit des Sanierungsmanagements in unterschiedlichen Gebietskulissen und Quartierstypen sowie Ansätze zur Konsolidierung der Sanierung fokussiert.

Die Begleitforschung führt hierbei vier Blickwinkel zusammen:

  • planungswissenschaftliche Perspektive: energetische Quartierskonzepte konzipieren und als Stadtentwicklungsinstrument implementieren,
  • ingenieurs- und umweltwissenschaftliche Perspektive: energie- und klimapolitische Ziele und Effekte einer Energetischen Stadtsanierung wirksam machen,
  • politik- und sozialwissenschaftliche Perspektive: Akteure zusammenführen, Interessen sammeln, Prozesse gestalten, Umsetzung koordinieren,
  • ökonomische Perspektive: Anreize schaffen und Finanzierung gestalten.

Auch in der zweiten Phase der Begleitforschung beruht der Forschungsansatz wesentlich auf der Auswertung und Reflexion von Praxiserfahrungen vor Ort im Quartier. Bei der Analyse der Referenz-, Stellvertreter-, und Fokusprojekte werden sowohl quantitative als auch qualitative Methoden angewendet. Die Auswertung vorhandener Projektmaterialien wird dabei durch telefonische und schriftliche Befragungen sowie Besuche vor Ort ergänzt.

Auf Grundlage einer Onlinebefragung im Sommer 2018 wurde eine repräsentative Auswahl von 61 Referenzprojekten zusammengestellt, deren Entwicklung im Laufe der Begleitforschung untersucht wird. Die Referenzprojekte bilden unterschiedliche Rahmenbedingungen in Hinblick auf Akteurskonstellationen, Eigentumsstruktur, strategische Schwerpunkte der Handlungsfelder der Energetischen Stadtsanierung, Kombination mit der Städtebauförderung sowie den Einsatz eines Sanierungsmanagements ab. Daneben werden durch die Auswahl von 17 Stellvertreterprojekten und zehn Fokusprojekten besonders beispielhafte Gesamtstrategien sowie relevante Einzelaspekte der Projekte näher beleuchtet.

Neben der Untersuchung der Projekte macht die Begleitforschung die Programme gezielt bekannt und gewährleistet den Wissenstransfer, die Qualifizierung in der Praxis sowie die öffentlichkeitswirksame Vermittlung von Ergebnissen zur zielgerichteten Anwendung der Programme. Ein Mix an fachöffentlichen und geschlossenen Veranstaltungsformaten adressiert die unterschiedlichen Akteurskreise.

Für die Unterstützung der Arbeit in der Praxis bietet die Begleitforschung eine große Auswahl an aufbereiteten und leicht verständlichen Informationsmaterialien an. Berichte und Dokumentationen ermöglichen einen Einblick in die Ergebnisse der Begleitforschung, Arbeitshilfen geben für zentrale Themen und Fragestellungen Anregungen für die Arbeit vor Ort, Poster sowie eine Wanderausstellung bieten die Möglichkeit, die Anwendbarkeit des KfW-Programms 432 zu präsentieren, und ein Planspiel führt die Akteure spielerisch in der Phase 0 an die Konzepterstellung heran.