Analyse und Zieldefinition

Integrierte energetische Quartierskonzepte benennen Ziele und Umsetzungsstrategien für die energieeffiziente Stadt. Ein abgestimmtes Handlungskonzept ist eine wichtige Grundlage für die Stärkung der Zukunftsfähigkeit unserer Städte. Durch die Einbindung aller relevanten Akteure – Bürger, Wohnungswirtschaft, private Eigentümer, Mieter und Energieversorger – werden gemeinsam getragene Ansätze möglich.

Bausteine integrierter Quartierskonzepte:

  • Bestands- und Potenzialanalyse: Wer verbraucht wie viel Energie im Quartier? Welche Leistungsfähigkeit haben energietechnische Infrastrukturen und Leitungsnetze? Wo liegen die Potenziale für Energieeinsparung und Effizienzsteigerung?
  • Handlungskonzept: Welche Ziele werden bis wann erreicht? Welche konkreten Maßnahmen sind geplant?
  • Kosten und Finanzierung: Welche Kosten sind zu erwarten? Wie sieht das Finanzierungskonzept aus?
  • Erfolgskontrolle: Wie wird überprüft, ob die angestrebten Ziele erreicht werden? Wie werden Qualitätsziele in der Umsetzung abgesichert?
  • Umsetzungsstrategie: Mit welchen Strategien soll die Umsetzung kurz-, mittel- und langfristig vorangetrieben werden? Wie werden die Akteure mobilisiert und in die Strategie eingebunden?
  • Information, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit: Wie können die relevanten Partner aktiviert werden? Welche Maßnahmen für Information, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit sind erforderlich?

Handlungsempfehlungen für Kommunen

Die Begleitforschung der ersten Forschungsphase hat auf Grundlage der Analyse der Energetischen Quartierskonzepte sowie der Auswertung von Befragungen und Veranstaltungen (Werkstätten und Regionalkonferenzen) Zwischenergebnisse zur Phase der Konzepterstellung in einer Kurzzusammenfassung ausgearbeitet. Diese sollen durch Ergebnisse aus den Referenzprojekten ergänzt und weiter differenziert werden. Weitere Empfehlungen zur Erstellung energetischer Quartierskonzepte – zu Quartiersauswahl, Zielformulierung, Prozessmanagement sowie Akteursbeteiligung – finden Sie hier nachfolgend.

Auswahl der Quartiere

Die Auswahl und Abgrenzung eines Quartiers hat großen Einfluss auf die zu erzielende Tiefenschärfe und damit auf die Ergebnisse des energetischen Quartierskonzeptes. Die bisherigen Erfahrungen sprechen für die Auswahl überschaubarer Quartiere. Auch die Verfügbarkeit von Bestandsdaten und die Mitwirkungsbereitschaft der Akteure können wichtige Kriterien sein. Sinnvoll ist es ebenfalls, geeignete Quartiere für die energetische Stadtsanierung vor dem Hintergrund einer gesamtstädtischen Betrachtung auszuwählen. Ein besonderer Fokus auf bereits vorhandene Energieversorgungsinfrastrukturen oder bestimmte städtebauliche Bestandsvoraussetzungen können auch Auswahlkriterium sein.

Zielformulierung

Eine klare Zielformulierung gehört zu den wesentlichen Grundlagen der Konzeptentwicklung und sollte möglichst frühzeitig im Prozess erfolgen. Sie setzt den Rahmen für das Konzept. Es ist einerseits wichtig, auf Basis von Potenzialermittlungen langfristige Ziele zu setzen und die Strategien des Konzeptes darauf auszurichten. Andererseits müssen aus heutiger Sicht kurz- und mittelfristig wirtschaftlich darstellbare Ziele formuliert und umgesetzt werden.

Prozessmanagement

Angesichts der Komplexität der Anforderungen an energetische Quartierskonzepte kommt dem Prozessmanagement eine hohe Bedeutung zu. Die Prozesssteuerung sollte klar geregelt sein und am besten kontinuierlich in einer Hand liegen. Hierfür müssen angemessene Ressourcen in Form von Arbeitszeit freigestellt werden. Darüber hinaus sind die vorhandenen Ressourcen unterschiedlicher Partner einzubinden und zu bündeln. Der Aufwand für die Datenerfassung wird nicht selten unterschätzt; ein hinreichender zeitlicher Vorlauf sollte hierfür eingeplant werden. Im Sinne der Umsetzungsorientierung sollten idealerweise bereits im Prozess der Konzepterstellung erste Projekte begonnen werden. Um einen zeitlichen Bruch zwischen Konzeptentwicklung und Umsetzung zu vermeiden, sollte der Einsatz eines Sanierungsmanagements frühzeitig vorbereitet werden.

Akteursbeteiligung

Die für die Umsetzung relevanten Akteure sollten am besten schon im Rahmen der Antragstellung eingebunden werden. Es bietet sich an, bestehende Akteursnetzwerke auf kommunaler und auf Quartiersebene zu nutzen. Auch die politische Unterstützung sollte von Beginn an gesichert werden. Kooperationsvereinbarungen tragen dazu bei, die Zusammenarbeit verbindlich zu machen und Ziele, Verantwortlichkeiten und Formen der Zusammenarbeit festzuhalten. Dabei ist es wichtig, eine zentrale Ansprechperson zu benennen, der auch die Rolle eines „Kümmerers“ im Prozess übernimmt. Die betroffenen Bürger sollten ebenso von Anfang an einbezogen werden, um Akzeptanz zu sichern und das Bewusstsein für klimagerechtes Verhalten im Alltag zu schärfen.

Integrierter Ansatz

Um die Akzeptanz für die energetische Stadtsanierung zu erhöhen und Umsetzungschancen zu verbessern, ist es wichtig, die Strategien mit anderen wesentlichen Quartiersthemen zu verknüpfen (z.B. Barrierefreiheit, Generationenwechsel). Bestehende Konzepte (z.B. ISEK, Integrierte Handlungskonzepte) können als Basis dienen.